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wall painting + public art projects
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Flagge zeigen

Künstlerhaus Nürnberg
Kunstwettbewerb Künstlerhaus 3. Bauabschnitt - erster Preis, 2020
Auftraggeber: Stadt Nürnberg
Realisierung vorraussichtlich 2022

Am 5. März 1981 machte das KOMM bundesweit Schlagzeilen und wurde als "die größte Massenverhaftung seit Ende des Dritten Reiches" bezeichnet. Den Verhaftungen vorangehend kündigte der damals amtierende bayerische Innenminister Gerold Tandler an "Flagge gegen die zunehmende Eskalation des Straßenterrors" zeigen zu wollen. Von den 141 Verhafteten sollten schließlich 78 vor Gericht angeklagt werden, mindestens 63 waren also unschuldig in den Zellen gesessen. Das erste Verfahren im November 1981 wurde für die Justiz zum Desaster: Die Anschuldigungen konnten nicht belegt werden und nur drei Wochen später wurde das Verfahren "ausgesetzt". Die Angeklagten wurden jedoch nie freigesprochen, der Eröffnungsbeschluss lediglich zurückgenommen, was eine juristische Aufarbeitung bis heute unmöglich macht.

Das Künstlerhaus kann heute selbst Flagge zeigen und damit ein selbstbewusstes und universelles Zeichen setzen: Den Ort markieren, seine Präsenz nach Außen und Innen demonstrieren, seine Zugehörigkeit zeigen und auf seine Bedeutung verweisen. Ein artifizielles Symbol setzen, das die Spuren der Zeitgeschichte gelassen aufnimmt, sich nicht instrumentalisieren lässt und gleichermaßen provoziert.

An einem acht Meter hohen Mast bewegt sich die zur Form gewordene Flagge sanft um diesen herum. Je nach Windrichtung dreht sich die Flagge um den Mast, richtet sich nach dem dynamischen Druck des Windes aus oder steht still. Die aus allen Richtungen, sichtbare und wahrnehmbare Skulptur gibt keine dominante Richtung vor und birgt immer neue Ansichten. Sie markiert selbstsicher den Eingang und betont metaphorisch den Übergang zwischen Ruhe und Beweglichkeit, Erinnerung und Aktualität.