Layers & Cuts
// Svenja Moor
GASAG Berlin, 2005


“Aubrey wears T-Shirt by Adidas”. Dieser prosaische Satz befindet sich am Rande einer Modefotografie, die – wie viele andere – den Ausgangspunkt für Montagen von Heidi Sill bildet. Heidi Sill, die auch mit einer Wandarbeit in der Gasag vertreten ist präsentiert in der Ausstellung, die heute eröffnet wird, einundzwanzig Fotomontagen, deren zarte Fragilität an die erwähnte Wandzeichnung anknüpft, den dort angestellten Untersuchungen jedoch weitere Aspekte hinzufügt.

Layers and Cuts – Schichten und Schnitte. Im Titel der Ausstellung klingt die Methode bereits an. Angezogen von einer aufreizenden Pose oder einem aufwändigen Arrangement von Kleidern, Stoffen und Personen – die Attraktivität der vorgefundenen Fotografien bildet den Ausgangspunkt der Arbeiten; sie markiert die Stelle, wo Heidi Sill das Messer ansetzt. In Schnitten – Cuts – wird entfernt, was den eigentlichen Ursprung der Mode und ihrer Inszenierung in der Modefotografie ausmacht: der menschliche Körper. So entstehen Leerstellen, wo früher Haut war, zeigt sich unter dem Haaransatz ein Loch anstelle eines Gesichtes, ist die herausgeschnittene Hand nur noch an ihren scharfen Umrissen erkennbar. Aber hinter diesen Leerstellen wiederholt sich das Spiel: Aus bis zu fünf Schichten – Layers – setzen sich die Arbeiten zusammen, so dass der Durchblick immer wieder aufgehalten wird und am Ende selbst das weiße Papier, das den Träger bildet, Bestandteil der Inszenierung wird und durch die sich überlagernden Schichten hindurch als konkrete Form aufscheint.

Die fragilen, teilweise aus nur wenigen Millimeter breiten Stegen bestehenden Papierarbeiten, sind durch Glasscheiben geschützt. Auf diese Weise dem Zugriff entzogen, behalten sie einen Teil ihres Geheimnisses für sich, bleiben einige von den Motiven auf den unteren Schichten vor den Betrachtern verborgen. Die Glasscheiben haben jedoch noch eine ganz andere Wirkung: Im Zusammenspiel mit den hellen Spotlights, den weißen Sockeln und den verhängten Glasscheiben entsteht ein geschützter Raum, eine lichtgefüllte Vitrine, in denen die auf waagerechter Ebene ausgestellten Kunstwerke die Präsenz von edlen Schmuckstücke eines Juweliergeschäftes erhalten.

Die Inszenierung gibt sich transparent, durchsichtig wie die Vorhänge, die nur scheinbar der Verhüllung dienen, durchschaubar wie die unzulänglich als Sockel getarnten weißen Pappkartons und greift damit einen Grundzug auf, der zur Mode gehört wie kein zweiter: das trügerische Spiel vom Bedecken und vom Freilassen, vom Verhüllen und vom Entblößen.