drawing
collage
watercolour
nail polish
installation
wall painting + public art projects
exhibition views
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Tusche auf Wandfarbe, ca. 20 qm
Shell Haus - GASAG, Berlin 2004

Der Etagenbetrieb (Kommunikation, Vorstand, Recht und Einkauf), die ständige Nutzung der Flure durch den Vorstand, die Mitarbeiter und Besucher, die Sitzelemente als Wartezone sowie die Kommunikation die als zentrale Begrifflichkeit für diese Etage steht und damit alle Funktionen der Etage verbindet, ist konzeptioneller und ästhetischer Inhalt.
Der Vorstand und die Mitarbeiter der GASAG Berlin werden als Silhouetten in einem Wandbild dargestellt. Unabhängig von Hierarchisierungen werden die Silhouetten übereinander gelagert gezeichnet, eine Metapher für eine gleich berechtigte Kommunikation.

Kunst im Bau. Unternehmen Kunstsammlung - GASAG Berlin
Katalogtext Claudia Reinau, 2006:

Im Eingangsbereich der vierten Etage, auf der die Abteilungen Vorstand, Kommunikation, Recht und Einkauf untergebracht sind, findet man sich plötzlich von einer dicht gedrängten Menschenmenge umgeben. Unzählige Körper, leicht überlebensgroß, die sich aus hunderten von gezeichneten Umrisslinien zusammensetzen. Aus dem Gewirr der dünnen schwarzen Linien stechen einzelne Gesten, Körperteile, Frisuren oder Details der Kleidung heraus, scheinen auf den ersten Blick zu dieser oder jener Person zu gehören. Versucht man aber, den einzelnen Konturen zu folgen, sie einer Figur zuzuordnen, wird man überrascht feststellen, dass die Linien nur scheinbar einzelne menschliche Umrisse nachzeichnen. Die Konturen treffen aufeinander, gehen ineinander über und verzweigen sich dann wieder unvorhersehbar. Ohne dass man es bemerkt, gleitet der Blick so von einer Figur in die nächste.

Für ihre Arbeit skins_#2 hat die Künstlerin Heidi Sill die Mitarbeiter der Gasag zum Fotoshooting gebeten. Am Computer wurden dann die Ganzkörperaufnahmen auf ihren Umriss reduziert und zu einer Komposition zusammengefügt, die sie dann auf die Wände im Flur der Gasag projizierte und mit der Hand nachzeichnete.

Heidi Sill nutzt dieses Verfahren der kombinierten Umrisslinien, um aus Individuen, wie zum Beispiel den einzelnen Gasag-Mitarbeitern, ein Kollektiv zu schaffen, das durch Gemeinsamkeiten zusammengehalten wird. Auf ähnliche Weise gestaltete sie 2003 das Wandbild skins_#1 für die Nürnberger Galerie Sima, in der Bilder von Models zu einem monumentalen Wandbild zusammenfügt wurden. Die Technik der überlagerten Umrisszeichnung fand sich auch in der Ausstellung Ähnliche Wirkungen wieder, in der Sill sich mit Portraitbildern von Toten aus dem Brandenburgischen Landesinstitut für Rechtsmedizin auseinandersetzte (Brandenburgischer Kunstverein Potsdam e.V., 2006).

In skins_#2 hat sie die Fotos der 80 Gasag-Angestellten, die ihrem Aufruf nachkamen – unter ihnen sowohl Mitglieder des Vorstands als auch Praktikanten – auf ihre oberflächliche Erscheinung, die skins, reduziert und diese zu einem unentwirrbaren, netzartigen Kollektiv zusammengeführt. Die Augen, die gemeinhin als Ausrucksmittel von Individualität, aber auch als Kommunikationsmittel so bedeutend sind, entfielen bei dieser Prozedur. Von den Bildern der Mitarbeiter sind nur ihre Körperkonturen übrig geblieben – eine konkret dargestellte und gleichzeitig abstrakte Idee der Firma Gasag. Diese Idee, direkt auf die denkmalgeschützte Wand gezeichnet, verbindet sich so gleichzeitig mit dem Ort des Geschehens, also mit dem Firmengebäude der Gasag und stellt auch auf dieser Ebene einen spannenden Bezug her.

Die Komposition besteht aus zwei Teilen. Während auf der linken Seite des Eingangsbereiches eine kleine, eher ruhige und in sich abgeschlossene Figurengruppe zu sehen ist, ist die große, über zwei Wände reichende Komposition ihr gegenüber offener. Hier brechen die Linien ab, wo sie auf eine Türumrahmung oder Wandkante stoßen. Die Verteilung auf drei Wandflächen hat zur Folge, dass sich die Portraitierten gegenüberstehen und den Betrachter gleichsam in ihre Mitte nehmen. Der Betrachter, etwa der Geschäftskunde, der sich wartend in einem der Sessel der Sitzgruppe niedergelassen hat, ist in Gesellschaft. Ein Gefühl, das dem tatsächlichen Umstand nahe kommt, denn um ihn herum arbeiten die Mitarbeiter der Gasag, wenn auch unsichtbar hinter ihren Türen.

Die tägliche Arbeit der Mitarbeiter und das Ineinandergreifen ihrer unterschiedlichen Tätigkeiten funktionieren in einer ähnlichen Art und Weise wie die Wandzeichnung. Sie bleiben in ihren Einzelheiten für Außenstehende meistens unsichtbar und ebenso unentwirrbar wie in der Zeichnung von Heidi Sill. Gewisse Zusammenhänge der Konturen können erahnt werden, wie man vielleicht auch eine Vorstellung von einzelnen Mitarbeitern hat – und trotzdem bleibt das Interne der Firma abstrakt und anonym wie die augenlosen Figuren aus skins_#2.

„Meine Absicht ist es gewesen, die Mitarbeiter der Gasag in das Kunstwerk zu integrieren. Sie sollten sich als ein Teil dessen sehen und sich damit identifizieren können. Denn sie sind es, die sich jeden Tag damit konfrontieren müssen.“, betont die Künstlerin. Für Heidi Sill ist skins_#2 ein Kommunikationsangebot. Eine Aufforderung an den Betrachter, über das Unternehmen Gasag nachzudenken und sich mit Themen wie zum Beispiel Hierarchie oder Kommunikationskultur auseinanderzusetzen.